Einzelnen Beitrag anzeigen
  #1  
Alt 09.10.2017, 16:03
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.399
Frage Handout: Grundlagen Seekajak

Ahoi!

Lars Everding (DKV Küstenreferent Ressort Ausbildung) hat wohl kein „Handbuch“, aber ein „Handout“, also eine kleine, 21-seitige Broschüren herausgebracht, und zwar zum Thema Küstenkanuwandern:

„Handout Grundlagen Seekajak“

Diese Broschüre kann seit dem 4.7.17 von der Homepage der „Kanuabteilung des Post SV Bonn“ downgeloaded werden:

=> https://www.kanu-postsvbonn.de/handout-seekajak/

Die folgenden Themen werden u.a. auf 12 Seiten angesprochen:
0. Sicheres Seekajak
1. Packen und Trimmen des Bootes
2. Navigation auf Tidengewässer, Gezeitenplanung
3. Wetterdaten
4. Tourenplanung
5. Persönliche Skills
6. In der Gruppe
7. Auf dem Wasser
8. Schlüsselkompetenzen für eine gute Paddeltechnik (aktives Sitzen, Kraftschluss zum Boot, Oberkörperrotation/Beinarbeit, Edging and Leaning, C to C)
9. Rettungstechniken
10. Schlepptechniken
11. Der Seenotfall
Anschließend wird quasi als Wiederholung, Ergänzung bzw. zur Vertiefung in 10 Anlagen u.a. auf Folgendes eingegangen:

A1: Begriffsbestimmungen (zum Gezeitenverlauf wie z.B. MHW, MNW, MTH)
A2: 12er-Regel (Bestimmung des Wasserstandes während einer 6-stündigen Tide)
A3: Schwimmende Schifffahrtszeichen (Lateral-, Kardinal-Zeichen u.a.)
A4: Signale auf dem Wasser (Handsignale für Warten, Kommen, Notfall u.a.)
A5 Ausrüstung (eines Seekajaks bzw. Kanuten) (muss, empfohlen, möglich, abzuraten)
A6: Paddeltechnik: Schlüsselkompetenzen
A7: Skegeinsatz (Bootstrimm mit Skeg)
A8: Hypothermie (Kälteschock, Unterkühlung; Vorbeugung, 1-10-1-Prinzip)
A9: CPR (Cardio-Pulmonale-Reanimation) (Wiederbelebung)
A10: UKW-Seefunk (Anrufe/Meldungen/Kanäle/Wetterbericht)

Für jeden Themenpunkt ist maximal eine Seite vorgesehen. Ob das reicht, um die vom Autor gemachte „Auslobung“:
„Alle Einsteiger-Informationen zum Seekajaken –
als Essentials kurz und kompakt auf den Punkt gebracht.“
als zutreffend zu bestätigen, muss jeder selber prüfen. Letztlich hängt es davon ab, welche Kanuten wir den „Einsteigern“ zurechnen und was wir von „Einsteiger-Informationen“ bzw. „Essentials“ erwarten.

In Anbetracht dessen, dass spätestens seit der Gründung der Salzwasserunion (SaU) (1985) genügend über das Thema Seekajakfahren, Seekajaken, Seakayaking, Oceanpaddling, Küstenkanuwandern …. geschrieben wurde und wird, fragen ich mich jedoch, welche Relevanz ein solches „Handout“ hat, das die Grundlagen des Küstenkanuwanderns so kurz und kompakt zusammenfasst, dass letztlich nur Stichpunkte übrigbleiben.

Der Autor scheint aber das wohl so gewollt zu haben; denn:
  • für jedes der 12 ausgewählten Themen wird nur ca. ½ Seite vorgesehen, wobei die andere Seitenhälfte den Notizen des Lesers vorbehalten sind
  • und in den Anlagen werden jeweils auf maximal einer Seite vertiefende Informationen zu den einzelnen bzw. zu weiteren Themen aus der Literatur aufgeführt.
Eine solche Darstellungsweise könnte „fachdidaktisch“ begründet werden und ist auch okay, solange darunter nicht die inhaltliche Aussage leidet. Leider gelingt es dabei dem Autor nicht immer, aus der Fülle an Grundlageninfos, die in der Literatur (inkl. Internet) zu finden sind, die relevantesten Aussagen für „Einsteiger“ herauszufiltern. Vielleicht hätte er aber auch einfach nur jedem Themenblock eine ganze Seite einräumen müssen, um die Chance des Lesers zu erhöhen, aus dem größeren Umfang an Aussagen praktisch relevante Inhalte zu „saugen“!?

Das gilt z.B. nicht nur für das erste Thema „Sicheres Seekajak“, in dem gleich im erstem Satz folgende Aufzählung zu lesen ist:

„Ein sicheres Seekajak ist über folgende Anforderung definiert: unsinkbar, … „

Ja, diese Anforderung von der „Unsinkbarkeit“ hatte noch Mitte der achtziger Jahre seine Richtigkeit, obwohl sie damals schon von jedem Wanderkajak, WW-Kajak, Langeiner und „Eskimokajak“ erfüllt wurde. Nein, das typische für ein Seekajak in Sachen Unsinkbarkeit ist nicht die Erfüllung der Unsinkbarkeit an und für sich, nämlich durch zwei Spitzenbeutel, sondern durch den Einbau von mindestens zwei Abschottungen; denn erst diese ermöglichen es, ein solchermaßen ausgerüstetes Kajak nach einer Kenterung weit draußen fernab der Küste auch wieder zu lenzen und fahrtüchtig zu machen, d.h. erst mit der „mindestens doppelten Abschottung“ wird das erste Kriterium erfüllt, das - Sit-on-Top-Kajaks mögen hier ausgenommen sein - aus einem Kajak ein Seekajak macht. Fazit: Der Autor täte gut daran, in seinem Handout das Wort "unsinkbar" durch den in Klammern gesetzten Hinweis (mind. doppelte Abschottung) zu ergänzen.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier

Geändert von Udo Beier (11.10.2017 um 14:21 Uhr)
Mit Zitat antworten