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Alt 17.10.2017, 10:33
Udo Beier Udo Beier ist offline
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Unglücklich Gedöns!?

Ahoi!

Jens (Kan(g)oo) meint in Post #6, „nicht so viel Gedöns um dieses „Handout Grundlagen Seekajak“ (zu) machen“. Aber wo können wir uns kritisch mit einem solchen Ausbildungstext – wie z.B. dem von Lars Everding (L.E.) - auseinandersetzen, wenn nicht in einem Forum von interessierten Kanuten. Ich sehe daher in Jens etwas flapsiger Wortwahl den Versuch, eine Diskussion darüber im Keim zu ersticken. Warum? Vielleicht interessieren ihn solche Grundlagentexte nicht sonderlich, letztlich weil er schon lange weiß, auf was alles er beim Küstenkanuwandern zu achten hat?! Mir geht es da anders. Schon seit dem letzten „Jahrtausend“ interessiert mich das Thema „Küstenkanuwandern & Ausbildung“. Ich suche seitdem nach Anregungen, um den Ausbildungsstand der am Küstenkanuwandern interessierten Leuten zu erhöhen.

Das war auch der Grund, warum ich mit großem Interesse diesen ersten (?) im Internet abrufbaren Ausbildungstext von L.E. zur Kenntnis genommen habe. Mein Interesse war u.a. deshalb so groß, weil zum einen dieses „Handout“ recht formvollendet gestaltet ist und zum anderen, weil L.E. mit dem Hinweis darauf, dass er in einer Person:
  • Kanulehrer DKV
  • Ausbilder Salzwasserunion
  • DKV Küstenreferent Ressort Ausbildung
ist, wohl den Eindruck erwecken möchte, dass er über besondere Fachkompetenz in dieser Kanusparte verfügt …. oder wie sonst ist es zu verstehen, dass er am Ende einer jeden Seite seines Handouts auf sich und seine Posten verweist:
„lars everding – kanulehrer dkv – ausbilder salzwasserunion“.
Insofern war ich beim Durchlesen dieses Handouts etwas enttäuscht. Nach mehreren Jahren Tätigkeit z.B. als „DKV Küstenreferent Ressort Ausbildung“ ist L.E. mit diesem ersten Ausbildungsbeitrag zum Thema Küstenkanuwandern kein großer Wurf gelungen. Das soll aber nicht heißen, dass seine Texte fehlerhaft sind, wohl aber, dass die Erläuterungen zu einzelnen Themenkomplexen zu knapp gehalten sind. L.E. verfügt sicherlich über ein umfangreiches Grundlagenwissen. Aber das reicht nicht. Wir Ausbilder müssen auch in der Lage sein, auf die wesentlichsten Inhalte hinzuweisen, d.h. um mit den Worten von L.E. zu sprechen: „Alle Einsteiger Information … als Essentials kurz und kompakt auf den Punkt (bringen).“ Das hat Schlumi in seinem Post #2 sehr gut erkannt, als er Folgendes beim dem „Handout“ reklamierte:
„Das wichtigste Problem, das hier gar nicht - und sonst selten - angesprochen wird, ist die Kondition. Für mich ist die sicherste Vorbereitung das Ausdauertraining. Fehler machen meistens die "müden" Paddler. Ermüdung führt zu Unachtsamkeiten, die dann zu Kenterungen führen können. Oft hilft dann nicht die erlernte Technik.“
Chris (haubentaucher) kontert nun in seinem Post #7 und hält dagegen, das L.E. sehr wohl an anderer Stelle auf das Problem mangelhafter Kondition eingeht. Dabei verweist er auf die folgende Aussage, die L.E. in seinem 4. Punkt „Tourenplanung“ abschließend macht:
„Kennzeichne die alternativen Anlandemöglichkeiten, um im Notfall die Tour abzubrechen. Denke an den Wind- und Strömungsversatz. Plane ausreichende Pausen.“
Und kommentiert das wie folgt:
„Wer das beherzigt, der sollte keine Probleme mit seiner Kondition kriegen, die dann zu einem Sicherheitsrisiko für ihn werden."
Nun, die Punkte „alternative Anlandemöglichkeiten“, die Beachtung von „Wind- und Strömungsversatz“ und „ausreichende Pausenplanung“ sind drei hinreichende Bedingungen, wenn ein Fahrtenleiter seine Gruppe nicht konditionell überfordern möchte. Da aber nie ausgeschlossen werden kann:
  • dass die eingeplanten Anlandemöglichkeiten mal nicht so leicht erreichbar sind,
  • dass es plötzlich Probleme mit Wind, Strom und letztlich Seegang geben kann, bei der einzelne an ihre persönlichen Befahrbarkeitsgrenzen (Kondition & Können) stoßen,
  • dass eine plötzliche Erhöhung der Gewässerschwierigkeiten die Pausenplanung durcheinander bringen kann,
stellt u.a. genügende Kondition eine notwendige Bedingung für das Küstenkanuwandern dar, auf die eigentlich nur verzichtet werden kann, wenn ich bei unschwierigen Gewässerbedingungen entlang z.B. der Ostseeküste paddle, und das auch nur dann, wenn ich sicher bin, jederzeit bei Problemen sofort & sicher anlanden zu können!

Natürlich weiß das auch L.E. Auf der Homepage seines Vereins bietet er z.B. „für die kommende Winterzeit … am Donnerstag weiterhin ein regelmäßiges Trainingsangebot für Langbootfahrer (Seekajak/Touring) an.“

https://www.kanu-postsvbonn.de/neuer...kajak-touring/

bei dem das „Strecke Paddeln“ einen zentrale Bedeutung einnimmt. Leider versäumt er es, diesen Punkt in sein „Handout“ mit aufzunehmen.


Mit dieser meiner Kritik will ich nicht L.E. bloßstellen oder – wie es Frank Steinauer (Schlumi) im SEEKAJAKFORUM ausdrückt – die mir nachfolgende „neue Ausbilderelite ausbremsen“, sondern ich will ihm nur helfen, sein „Handout“ aussagekräftiger zu machen. Natürlich könnte ich ihm meine Ergänzungsvorschläge persönlich zuleiten. Ich habe aber die allgemeine Erfahrung gemacht, dass das vielfach nichts bewirkt. Außerdem vertrete ich die Auffassung, dass der Leser z.B. eines solchen „Handouts“ erst dann die Relevanz der dort gemachten Aussagen erkennt, wenn er kritische Kommentare zu diesem „Handout“ liest.

Gruß aus Hamburg:
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Udo Beier

Geändert von Udo Beier (18.10.2017 um 10:05 Uhr)
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