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  #1  
Alt 22.12.2017, 22:51
Udo Beier Udo Beier ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 23.01.2007
Beiträge: 1.372
Pfeil KANU-MAGAZIN: Die Begegnung mit Strömung & Welle

Ahoi!

Im KANU-MAGAZIN; Nr. 6/17, S.58-60, befasst sich Christian Zicke in dem Beitrag:
„Serie Seekajaks - Teil 5: Strömung und Tide“
mit den Problemen, die uns beim Tourenpaddeln Strömung und Welle bereiten können.

Der Beitrag untergliedert sich wie folgt:

(a) „Strömungen auf Großflüssen“ (Umfang: 69 Zeilen)
Hier dreht sich alles um die Befahrung von Kehrwassern (Ein- & Ausfahren), wobei am Rande vermerkt wird, dass solche Kehrwasser auch auf Tidengewässern auftreten, und zwar dort wo „der Strömung ein Hindernis im Weg ist.“ (=> im Wasser stehende Seezeichen, wie z.B. Leuchttürme, Tonnen, Buhnen, in einen Priel ragende Sandbank, kleinere Inseln, Kaps). Insofern ist es nicht verständlich, dass sich Ch.Z. in seiner Gliederung ausschließlich auf Kehrwasser bezieht, die in Großflüssen durch Buhnen verursacht werden.

(b) „Strömungen auf Tidengewässern“:

Im Mittelpunkt stehen drei Unterpunkte:

1. „Tidenströmung“ (Umfang: 36 Zeilen)
Hier wird lediglich kurz & knapp und wenig „erhellend“ eine 2-Tages-Rund-Tour von Neuharlingersiel (Festland) nach Spiekeroog (Insel) und weiter um Spiekeroog herum über den Wattrücken (Wattenhoch) zurück nach Neuharlingersiel skizziert. Das ist für einen Grundlagenbeitrag, der eher die noch nicht „zertifizierten“ Küstenneulinge (=> ohne SaU-A-Schein bzw. EPP 3-Küste) zur Zielgruppe hat, viel zu wenig informativ.

Die Redaktion hätte hier dem Autor am Schluss der bislang fünfteiligen und nun endenden „Serie Seekajaks“ einen 6. Teil: „Tourenplanung rund Spiekeroog“ anbieten können. In einem solchen praktischen Beitrag hätte dann Ch.Z. ohne „Zeilendruck“ sich ausführlich mit einer solchen „Tourenplanung“ auseinandersetzten können, die mindestens die folgenden Punkte hätte thematisieren müssen:
  • Eine Tourenplanung setzt die Kenntnis der Tide (=> Hoch-/Niedrigwasser, Strömungsrichtung/-geschwindigkeit) und des Wetters (=> Windrichtung/-stärke/-wirkdauer/-wirkweg (Fetch) voraus. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass ab 4 Bft. Wind es anstrengend wird und wenn er – entlang der ostfriesischen Inseln aus nördlicher Richtung kommt (NW – NO), ist die Seeseite nur noch für brandungstüchtige Küstenkanuwanderer befahrbar, d.h. wenn wir also für 2 Tage eine solche Tour planen, sollten wir uns vergewissern, ob auch am 2. Tag das Wetter okay ist. Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als am 2. Tag wieder direkt zum Festland zurückzupaddeln.
  • Es wird stets mit der Tidenströmung gepaddelt und nur in begründeten Ausnahmen gegen die Tide, wo bei es dann ratsam ist, ganz dicht entlang der Wattkante gegen den Strom zu paddeln, da dort die Strömungsgeschwindigkeit am niedrigsten ist.
  • Von Neuharlingersiel (Festlandshafen) nach Spiekeroog (Zeltplatz) sollten wir nur bei ablaufendem Wasser (Ebbphase) paddeln. Und entlang der Seeseite von Spiekeroog von West nach Ost und weiter zurück übers Watt bis zum Wattrücken (Wattenhoch) sollten wir nur bei auflaufendem Wasser (Flutphase) paddeln. D.h. wir sollten frühestens bei Hochwasser von Neuharlingersiel aus zur ca. 8 km entfernt liegenden Insel starten (=> wg. der Stauwasserphase geht es auch noch 0:30 h früher) und wir sollten spätestens bei Niedrigwasser (max. 0:30 h später) in Spiekeroog ankommen. Am nächsten Tag geht es dann weiter mit rund um Spiekeroog, indem wir – wenn wir nicht gegen den Tidenstrom paddeln wollen - mit dem restlichen ablaufendem Wasser durchs Gat hinaus zur ca. 4 km entfernt am Ende der Robbenplate beginnenden Seeseite paddeln, um mit dem beginnenden auflaufenden Wasser mit entsprechenden Pausen entlang der Seeseite und dann um die Ostspitze herum die insgesamt vor uns liegenden ca. 16 km so paddeln, dass wir ca. 0:30 h vor Hochwasser am Wattrücken (=>Wattenhoch „Muschelbalje“) sind, damit wir dann die restlichen Kilometer 8 km bis zu unserem Ziel „Neuharlingersiel“ zunächst im Stauwasser, danach mit der Tide und ab Höhe Hafeneinfahrt gegen den Tidenstrom paddeln.
  • Der Tidenstrom selbst kann einem Probleme bereiten, wenn er (1) durch Engstellen strömt (=> Gat; Stromkabblung/Tidalrace), (2) über Untiefen/Sandbänke/Hindernisse strömt (=> Sturzsee/Dumpers, stehende Wellen, Wirbel), (3) an Hindernissen vorbeiströmt (=> Kehrwasser), (4) auf einen anderen Tidenstrom triff (=> Kabbelwasser), (5) ein Hindernis zum Schwoien bringt (=> frei schwingende Boje, Fahrwassertonne; Kollisionsgefahr), (6) gegen den Wind strömt (=> aufsteilende Wellen), (7) zu stark strömt (=> in der 3. u. 4 Std. vor/nach Hochwasser bzw. Niedrigwasser), dass er uns ins Fahrwasser treiben lässt, ohne dass wir es bemerken oder ohne dagegen etwas unternehmen zu können (=> Stromabdrift), (8) zu stark ansteigt bzw. fällt (=> was zu Veränderungen der Brandungsbedingungen an einem Strandabschnitt führen kann, sodass u.U. nach einem Landgang mit Pause nicht mehr gestartet werden kann, weil die Brandung es nicht mehr zulässt; und schließlich (9) er gegen an strömt und wir folglich kaum noch vorankommen.
  • Bevor es seeseitig entlang rund Spiekeroog geht, bedarf es einer besonderen Gewässerschwierigkeitsanalyse: Lassen die Brandungsbedingungen überhaupt eine Befahrung zu? Das setzt (1) eine Bewertung der tatsächlichen und prognostizierten Windstärke voraus (=> ab 4 Bft. Wind bzw. ab 0,80 m hoher einlaufender Dünung beginnt es, das entlang der Seeseite (=> Brandungsseite) „schwierige“ Gewässerbedingungen entstehen, die mindestens mit WW III vergleichbar sind. Und das setzt (2) eine Beobachtung der Brandungsseite voraus, wobei es genügt, von Spiekeroog (Zeltplatz) aus auf die Seeseite von der im Westen liegenden Insel Langeoog zu schauen. Können wir dort eine ununterbrochene Brecherkette ausmachen, sollte die Umrundung nur mit „brandungstüchtigen“ Küstenkanuwanderern“ gewagt werden, wobei nur der „brandungstüchtig“ ist, der in der Lage ist, nicht nur kopfhohe Brecher abzusurfen (vorwärts/seitwärts/rückwärts), sondern auch den einlaufenden Seegang so „lesen“ kann, dass er weiß, wo die Brandungskorridore entlang laufen, bzw. wo eine harmlos wogende Dünung sich vor Erreichen der Brandungszone zur einer kritischen Grundsee aufbäumen kann!
2. „Wellen“ (von vorne/hinten/seitlich) (Umfang: 60 Zeilen)
Zunächst wird kurz erläutert, wie Wind Wellen (=> Windsee, Dünung) entstehen lässt. ‚Spätestens hier hätte Ch.Z. darauf hinweisen müssen, ab welcher Windstärke Küstenkanuwanderer mit Schwierigkeiten zu rechnen haben und durch welche Faktoren diese Schwierigkeiten sich noch steigern könnten. Das gilt z.B. wenn Windsee auf Stromkabbelung trifft (=> rauer Seegang), Windsee über Untiefen läuft (=> Grundsee), Windsee auf Steilküsten trifft (=> Kreuzseen; Ch.Z. erwähnt dies jedoch); oder wenn zusätzlich zu diesen Seegangsverhältnissen noch kurzzeitig Dampferwellen auftreten (=> „Seegangstohuwabohu“). Ich vermisse hier auch Hinweise auf ablandigen Wind (=> kaum Seegang dicht entlang des Uferstreifens) und auflandigen Wind (=> ab 3-4 Bft. Wind ist dann entlang des Uferstreifens mit Brandung zu rechnen). Für die Planung einer Tour entlang der Seeseite einer ostfriesischen Insel ist das wichtig zu wissen; denn auch wenn es mit 5-6 Bft. Wind ablandig bläst, können wir dort mangels Wellen noch dicht entlang der Wattkante paddeln. Wir müssen nur aufpassen, dass die Windböen uns nicht umschmeißen bzw. hinaustreiben lassen. Weht es jedoch mit derselben Windstärke auflandig, und das schon mehrere Stunden, bilden sich immer höhere Brandungswellen, sodass die meisten Küstenkanuwanderer sehr schnell an ihre Grenzen der Befahrbarkeit stoßen werden.

Die dann folgenden Aussagen über das Paddeln bei „Wellen von vorne“, „Wellen von hinten“ und „Wellen von der Seite“ sind okay.

3. "Brandung“ (Umfang: 13 Zeilen)
Dieser 13-Zeiler ist einfach zu knapp. Zumindest fehlen Aussagen darüber, wie eine brechende Welle von der Seite zu nehmen ist (sog. „Seitwärtssurf“) (=> Immer zur brechenden Welle hin (flach/hoch) stützen!)

(c) „Brandungspaddeln: Zwei Herausforderungen: Ab- & Anlanden“ (Umfang: 80 Zeilen)
Neben dem „Seitwärtssurf“ stellen in der Tat, das „Ablanden“ (= Starten) und „Anlanden“ weitere Herausforderungen dar.

1. „Ablanden“: Der Start mit dem Seekajak durch die Brandung wird genügend erläutert (=> Robbenstart, Ausrichtung zur Welle, Anschubhilfe durch Mitpaddler). Aber: Beim Ausrichten des Seekajaks richten wir uns nicht nur an den einlaufenden Wellen aus, sondern kalkulieren auch die Strömungs- und Windabdrift ein. Und das „alternative Ablandemanöver“ mit offener Spritzdecke zu starten, um möglichst schnell auf Tempo zu kommen, ist nur dann empfehlenswert, wenn lediglich ein, zwei Brecher zu durchfahren sind. Anderenfalls ist die Sitzluke voll geflutet. Vielleicht empfiehlt es sich stattdessen, einen anderen Strandabschnitt aufzusuchen, wo die Brandung nicht so stark auf den Strand rauscht.

2. „Anlanden“: Die Erläuterungen hierzu reichen aus. Der „Seitwärtssurf“ auf dem Brecher bis zum Strand ist jedoch nur bei flachen Stränden harmlos. Je steiler der Strand ist, desto schwieriger wird es einen fallen, aus dem von den Brechern hoch und runter gespülte Seekajak zu steigen. Folglich ist hier beim Anlanden genauso Kameradenhilfe gefragt wie beim Starten, und zwar getreut der alten „Brandungsfahrerregel: Frist in, last out“, d.h. beim Anlanden landet der leistungsfähigste Mitpaddler als erster an, um danach den anderen Mitpaddlern, die natürlich nicht gleichzeitig, sondern nacheinander anlanden, zu helfen; und beim Starten startet der leistungsfähigste Mipaddleer als letzter, um zuvor den andren Mitpaddlern beim Start „Schubhilfe“ zu geben.

Gruß aus Hamburg:
__________________
Udo Beier
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